Stopp! - Theater für Zivilcourage. Forumtheaterarbeit in Langzeitgruppen

Das Forumtheater kann in Österreich auf eine Geschichte von 40 Jahren zurückblicken. Sie begann im Jahre 1978, als Augusto Boal das erste Mal auf Einladung des "Dramatischen Zentrums" in Wien im Rahmen der Wiener Festwochen "Unsichtbares Theater" inszenierte. 1982 wurde in Wien ein erstes Ensemble gegründet, das mit den Methoden des Theaters der Unterdrückten vorwiegend friedenspolitische Themen "auf die Strasse" brachte. Dieses Ensemble erarbeitete bis 2012 regelmässig und kontinuierlich Theaterproduktionen für und mit unterschiedlichsten Zielgruppen und Milieus.

Heute sind in Österreich, verteilt auf das ganze Bundesgebiet, auf sozialen und kulturellen Feldern (vom Krankenhaus bis zu Universitäten) Forumtheatergruppen in den unterschiedlichsten Formen aktiv. Sie setzen sich zusammen aus Menschen verschiedenster Ausbildungs- und Berufsgruppen. Die meisten der Gruppenmitglieder arbeiten in den freien Forumtheatergruppen nebenberuflich - zumeist werden Produktionen als Projekte oder im Rahmen von Aufträgen durch Dritte gefördert.

Ein Spezifikum der österreichischen Gruppen, die auf nationaler Ebene einen Zusammenschluss in der „Arbeitsgemeinschaft Forumtheater“ bilden, ist bis heute festzustellen: Forumtheatergruppen bleiben in längeren Zeiträumen und regelmässig zusammen. Sie arbeiten, zumeist in gleichen Personenzusammensetzungen, über Jahre an immer neuen Produktionen und gehen mit Aufführungen in verschiedenste Öffentlichkeiten.

Wie Forumtheaterarbeit wirkt und welche Lernmöglichkeiten sie für Großgruppen darstellt, wurde ansatzweise bereits untersucht. Was immer wieder in Forumtheateraufführungen sichtbar wird, sind die gesellschaftlichen Raumverschränkungen sowohl im eigenen Erleben als auch in der ästhetischen Rezeption der gemeinschaftlichen Szenengestalt zwischen allen Beteiligten. Somit dient das Forumtheater wie auch das Psychodrama als Szenisches Analyseinstrument zum Sichtbarmachen gesellschaftlicher Wirklichkeiten. Es stellt dazu einen gemeinschaftlichen Raum für Lösungen von Problemen und Leid zur Verfügung. Wenn bestimmte Vorkehrungen getroffen und Regeln beachtet werden, kann die Großgruppe durch das Forumtheater die volle Kraft des ästhetischen Raums als Ressource zur Veränderung von einzelnen Personen und Gruppen nutzen.

Wir in der Gesellschaft - die Gesellschaft in uns. Psychodramatische Betrachtungen zur Forumtheaterarbeit in Langzeitgruppen. in: Themenheft Psychodrama und Gesellschaft

Musiktheaterstück zum Thema Sozial- und Lebenskompetenz

Mit den Musiktheaterstücken „Anna und der Wolf I und II“ hat die Kinder- und Jugendanwaltschaft O.Ö. und die Musiktheatergruppe Traumfänger in den letzten Jahren einen grossen Beitrag geleistet, schwierige Themen und Probleme, die Kinder und Jugendliche belasten zur Sprache und zur Erfahrung zu bringen. Im Erzählraum von „Anna und der Wolf I und II“ werden die Problemfelder der Hauptfigur Anna in verschiedene Märchenfiguren aufgefächert. Im Märchenwald gelingt es Anna, die sehr verzweifelt ist, durch die helfende Beziehung mit "ihrem" Wolf, Schritte aus den Sackgassen ihrer eigenen Ängste zu setzen und mehr Selbstvertrauen zu entwickeln. In der Begegnung mit dem Froschkönig, dem Aschenputtel, dem siebten Geisslein begegnet Anna sich selbst. In den Figuren können Kinder ihre eigenen Nöte und Schwierigkeiten besser ansehen, verstehen und in weiterer Folge auch lernen damit umzugehen.

Hörspiel: Anna und der Wolf. Mediathek der Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes O.Ö.