Erinnerungsräume schaffen - Lebendiges Morenomuseum

J. L. Moreno lebte als junger Arzt bis 1925 im niederösterreichischen Bad Vöslau im Haus ‚Maital 4’. Seit den 1980er Jahren gibt es die Idee und unterschiedlichste Initiativen, dieses ehemalige Wohnhaus in Bad Vöslau für ein „Morenomuseum“, als Gedenk- und Forschungsstätte zu adaptieren.

1919 wurde dem jungen Arzt J. L.Moreno ein Haus von der Gemeinde Bad Vöslau in Miete zur Verfügung gestellt.

Die Stadt gab mir ein Haus „Im Maital“. Das Mai-Haus war aus Stein, eher eine kleine Burg mit einem Turm. Eine lange Veranda verlief das ganze Tal überblickend entlang der Rückseite des Hauses. Es gab auch einen enormen Weinkeller, den größten der Stadt, der unter dem Haus und darüberhinaus aus dem Fels gehauen war. Das Haus war von Bäumen umsäumt. (J. D. Moreno, 1995, S. 92)

Das Haus, das Moreno in seiner Vöslauer Zeit als Arbeits- und Wohnhaus nutzen konnte, war 1840 als „kleines Schweizerhaus“ in Materialbauweise errichtet worden und wurde ursprünglich als Neben- und Wirtschaftsgebäude des gräflich Fries´schen Försterhauses genutzt. Es lag direkt neben der Ursprungsquelle des Bad Vöslauer Mineralwassers und hatte die malerische Anschrift „Maital 4“. 1843 mietete Robert Schlumberger das Gebäude und erzeugte, im grossen, unter dem Gebäude gelegenen Felsenkeller, den ersten - nach der Champagnermethode hergestellten - österreichischen Schaumwein.

Moreno wohnte und wirkte im Haus Maital 4 bis 1925. Dass der Ort große Bedeutung für ihn hatte, kommt in seinen Gedichten, in seinen Kommentaren, in seiner Rede anlässlich der Ehrung der Universität Wien 1969 und in Erzählungen von Zeitzeugen immer wieder zum Ausdruck.

O Maithal, mein Haus.
O hatte ich je noch ein Haus.
O in Edens Hall und Blau
Das einzige irdene Haus.
Hier ist mein Thron, mein Bett.
Hier ist mein Bett auch mein Thron.
Kein Engel erreicht dieses Wort.
Ich wende mich um und bin dort.
Ich bleibe am Ort und bin dort.
(Moreno, 1922, S. 104)

Von der Form des Hauses zu Zeiten Morenos ist heute nur noch der vordere Teil erhalten. Er umfasst ebenerdig zwei Wohnräume, einen Vorraum und zwei bergseitig gelegene Lagerräume.
Eine Holztreppe führt in den ersten Stock, in dem sich drei Wohnräume befinden. Das Haus steht seit mehreren Jahren leer und befindet sich im Besitz der Vöslauer Bad-, Betriebs- und BesitzgmbH, die wiederum der Ottakringer Brauerei gehört. Die Spuren des Verfalls werden von Jahr zu Jahr offensichtlicher. „Vor drei Jahren wurde [...] das Dach komplett saniert, damit das Haus in seiner Grundsubstanz erhalten bleibt“, erklärt Bettina Racz, Leiterin der Vöslauer Bad-, Betriebs- und BesitzgesmbH (Kranzl, 2013). So wird das Haus zwar prinzipiell erhalten, aber derzeit nicht genutzt.

Moreno Vitrine im Stadtmuseum Bad Vöslau


Präsentation der Vitrine im Mai 2013 mit HR Dr. Barbara Farkas-Erlacher

Eine erste Interaktive Internetplattform wurde gestaltet, um die unterschiedlichen Interessensgruppen zu vernetzen und Spenden zu lukrieren. Ebenso konnten in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Bad Vöslau einige Gegenstände Morenos aus seiner Wirkungszeit in Bad Vöslau recherchiert und sichergestellt werden. Gemeinsam mit den bereits im Stadtmuseum archivierten historischen Fotografien und Objekten haben diese seit Mai 2013 in einer eigens gestalteten Vitrine einen festen Platz bekommen. In einer Dauerausstellung werden die für Morenos spätere Arbeiten und Erfolge in Amerika, prägenden Arbeiten präsentiert und einige ausgewählte Schriften, Objekte und Photografien über Morenos Wirken als Gemeindearzt von Bad Vöslau und Werksarzt in der Vöslauer Kammgarnfabrik in den Jahren 1919 – 1925.

Zudem wird eine ausführliche Photodokumentation (aus den Beständen des Museums) gezeigt, welche die Enthüllung der Ehrentafel an Morenos ehemaligen Wohnhaus, Maital 4, aus dem Jahre 1969 abbildet.
Platziert sind die Erinnerungsstücke in einer Vitrine in einem der Daueraustellungsräume des Stadtmuseums, der der Geschichte und Entwicklung der Vöslauer Kammgarnfabrik gewidmet ist.
Eine von der Kulturinitiative Morenomuseum gesponserte virtuelle Station rundet den Erinnungsraum ab.
Seit 2014 trägt ein internationaler Verein „Morenogesellschaft“ die Initiative mit der Hoffnung, das ehemalige Wohnhaus in ein lebendiges Morenomuseum zu renovieren.

Jacob L. Moreno Vitrine © Martin Geiger